Symbolische Darstellung moderner Verhaltenstherapie mit Gespräch, digitalen Übungen und wissenschaftlicher Forschung

Verhaltenstherapie: Evidenz, Methoden und neue Ansätze

Verhaltenstherapie setzt auf konkrete Veränderungen. Der Artikel erklärt Methoden, Wirksamkeit und digitale Therapieformen anhand ausgewählter Studien.

Quellen und Copyright

Dieser Artikel wurde von Andreas Faßl, Redaktion erstellt. Für die Erstellung wurden folgende Quellen verwendet:

Beschreibung der Verhaltenstherapie (VT) | therapie.de https://www.therapie.de/psyche/info/therapie/verhaltenstherapie/artikel/
Die 4 Arten von Psychotherapie: Welche Therapieform passt zu mir? https://www.privatpraxis-psychotherapie-bonn.de/arten-von-psychotherapie/
Innovative Studie PSYCHOnlineTHERAPIE ist erfolgreich: E-HEALTH-COM https://e-health-com.de/details-news/innovative-studie-psychonlinetherapie-ist-erfolgreich/
Schwere Depression: Verhaltenstherapie gleich wirksam wie Antidepressiva - Universität für Weiterbildung Krems https://www.donau-uni.ac.at/de/aktuelles/presse-medien/presseinformationen/2015/schwere-depression-verhaltenstherapie-gleich-wirksam-wie-antidepressiva.html
Verhaltenstherapie – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Verhaltenstherapie
Bilder: KI-bearbeitet
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Was ist Verhaltenstherapie?

Verhaltenstherapie hilft Menschen dabei, mit psychischen Problemen besser umzugehen. Sie wird zum Beispiel bei Ängsten, Depressionen oder Zwängen eingesetzt.

Im Mittelpunkt stehen oft Probleme aus dem heutigen Alltag. Gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten werden neue Wege gesucht.

Was passiert in der Therapie?

Belastende Gedanken und Verhaltensweisen können gemeinsam betrachtet werden. Danach werden neue Möglichkeiten ausprobiert.

Auch kleine Übungen für den Alltag können dazugehören. So lernen Betroffene Schritt für Schritt, schwierige Situationen besser zu bewältigen.

Was sagt die Forschung?

Viele Studien zeigen, dass Verhaltenstherapie bei unterschiedlichen psychischen Erkrankungen wirksam sein kann.

Auch digitale Angebote werden inzwischen untersucht. Dabei können persönliche Gespräche mit Online-Übungen, Videos oder Audio-Angeboten verbunden werden.

Schritt für Schritt etwas verändern

Verhaltenstherapie setzt darauf, dass Menschen neue Erfahrungen machen und hilfreiche Strategien für ihren Alltag lernen.

Verstehen, ausprobieren und Schritt für Schritt verändern: Das sind wichtige Grundgedanken der Verhaltenstherapie.

Verhaltenstherapie: Evidenz, Methoden und neue Ansätze

Die Wahl des passenden Psychotherapieverfahrens hängt von den individuellen Beschwerden und Zielen ab. In Deutschland gibt es vier anerkannte Psychotherapieformen: Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, psychoanalytische beziehungsweise analytische Psychotherapie und systemische Therapie.

Während tiefenpsychologische und psychoanalytische Ansätze unbewusste Konflikte und frühere Erfahrungen stärker berücksichtigen, betrachtet die systemische Therapie soziale Beziehungen und das Umfeld. Die Verhaltenstherapie konzentriert sich dagegen besonders auf aktuelle Probleme und deren Veränderung.

Das Prinzip der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie basiert ursprünglich auf lerntheoretischen Modellen wie der klassischen und operanten Konditionierung. Die Grundidee lautet: Problematische Verhaltensweisen können erlernt worden sein und lassen sich verändern oder durch andere Verhaltensweisen ersetzen.

Dabei umfasst „Verhalten“ nicht nur sichtbare Handlungen. Auch Gefühle, Gedanken, Motive und Bewertungen können einbezogen werden.

Die Verhaltenstherapie wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Besonders die Integration kognitiver Elemente erweiterte den Blick auf Gedanken und Gefühle. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie werden unter anderem ungünstige Gedanken und Überzeugungen erkannt und bearbeitet.

Zu den häufig eingesetzten Methoden gehören beispielsweise:

  • Verhaltensaufzeichnungen
  • kognitive Umstrukturierung
  • Expositions- und Konfrontationsverfahren
  • Verhaltensaktivierung
  • Übungen zwischen den Therapiesitzungen

Ein wichtiger Grundgedanke ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Patientinnen und Patienten sollen Methoden erlernen, die sie auch außerhalb der Therapiesitzungen anwenden können.

Wirksamkeit bei psychischen Erkrankungen

Verhaltenstherapeutische Methoden werden bei zahlreichen psychischen Störungen eingesetzt. Dazu gehören unter anderem Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen und Suchtprobleme. Auch bei bestimmten körperlichen Beschwerden wie chronischen Schmerzen können verhaltenstherapeutische Ansätze eingesetzt werden.

Eine Analyse von 45 Studien durch Forschende der Donau-Universität Krems und des US-amerikanischen Forschungsinstituts RTI International kam zu dem Ergebnis, dass kognitive Verhaltenstherapie und moderne Antidepressiva bei schweren Depressionen etwa gleich wirksam waren. Die Universität weist zugleich darauf hin, dass daraus nicht folgt, dass alle Betroffenen auf Antidepressiva verzichten sollten. Die Auswahl der Behandlung sollte individuell erfolgen.

Verhaltenstherapie und Veränderungen im Gehirn

Auch Veränderungen der Hirnaktivität wurden im Zusammenhang mit erfolgreicher Verhaltenstherapie untersucht. Bei Menschen mit Panikstörungen zeigte eine Studie der Philipps-Universität Marburg, dass sich die Verarbeitung sprachlicher Informationen nach einer erfolgreichen kognitiven Verhaltenstherapie normalisierte.

Die Forschenden untersuchten die Hirnaktivität mithilfe der Magnetresonanztomografie. Dabei zeigte sich nach der Behandlung eine geringere Aktivität in einem Hirnbereich, der mit der Verarbeitung panikbezogener Wortpaare in Verbindung stand.

Digitale Ergänzung der Psychotherapie

Neben klassischen Therapiesitzungen werden auch digitale Formen der Psychotherapie untersucht. Ein Beispiel ist die sogenannte „Blended Therapy“, bei der persönliche Einzeltherapiesitzungen mit selbstständig bearbeitbaren Online-Lektionen verbunden werden.

Die Studie PSYCHOnlineTHERAPIE untersuchte dieses Konzept bei Menschen mit Depressionen und Angststörungen. An der Studie nahmen 495 Patientinnen und Patienten sowie 75 niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten teil.

Verglichen wurden unterschiedliche Formen der Verzahnung von persönlichen und digitalen Sitzungen mit einer herkömmlichen ambulanten Behandlung. Entscheidend war unter anderem der Schweregrad der Depressions- und Angstsymptome 18 Wochen nach Beginn der Studie.

Die Studie zeigte, dass die untersuchte Blended Therapy der herkömmlichen ambulanten Psychotherapie hinsichtlich dieses Endpunkts nicht unterlegen war. Gleichzeitig lagen die durchschnittlichen Kosten der von der gesetzlichen Krankenversicherung getragenen Versorgungsleistungen je Patient in den digitalen Studienbedingungen niedriger.

Die Online-Lektionen bestanden aus strukturierten interaktiven Modulen. Dazu gehörten unter anderem Videos und Audio-Übungen. Die Patientinnen und Patienten konnten die Inhalte selbstständig bearbeiten und ihr Lerntempo bestimmen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss empfahl, Ansätze des Projekts für eine Überführung in die Regelversorgung weiterzuverfolgen.

Die passende Therapie ist individuell

Die Verhaltenstherapie ist eine strukturierte und zielorientierte Behandlungsmethode. Sie setzt häufig voraus, dass Patientinnen und Patienten aktiv an Veränderungen arbeiten und Übungen auch außerhalb der Therapiesitzungen durchführen.

Wer dagegen vor allem unbewusste Konflikte oder frühere Beziehungserfahrungen verstehen und bearbeiten möchte, kann andere Psychotherapieverfahren als passender empfinden.

Welche Therapieform geeignet ist, hängt daher von den Beschwerden, den persönlichen Zielen und der individuellen Situation ab. Die Entwicklung neuer Methoden und digitaler Angebote erweitert dabei die Möglichkeiten psychotherapeutischer Behandlung.

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